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Wie finde ich geeignetes Personal?

Marlies Krieger und Marion Kühn von den Arbeitsagenturen Neustrelitz und Neubrandenburg: ,,Wenn wir Bewerber und Arbeitgeber erfolgreich zusammenbringen, sind wir zufrieden." Foto: Danilo Vitense

Ob Landwirt, Tierwirt, landwirtschaftlicher Helfer oder Fachkraft Agrarservice - die Vielfalt der landwirtschaftlichen Berufe ist groß. Diese Fülle an beruflichen Möglichkeiten kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass es viele Landwirtschaftsbetriebe schwer haben, geeigneten Nachwuchs zu finden. Jedes Jahr sind es zu wenige junge Leute, die auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz in der Landwirtschaft sind, obwohl sich die Ausbildungsvergiitung sehen lassen kann: Der durchschnittliche monatliche Bruttolohn liegt im Osten bei 625 € (West: 723 €). Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Vergütung um drei Prozent. Dennoch zeigt der Trend beim Berufsnachwuchs nach unten. Gab es im Jahr 2007 deutschlandweit 43 000 Auszubildende in den sogenannten Grünen Berufen, waren es 2014 nur noch 33 000. Harte körperliche Arbeit und wenig Freizeit schrecken viele ab. Ein weiterer Punkt sind die mangelnden Kompetenzen mancher Bewerber.

Selbst aktiv werden
Das Problem kann nur an der Basis gelöst werden. Ausbildungsbetriebe müssen heute selbst aktiv sein, frühzeitig in die Schulen gehen, dort Partnerschaften bilden, im Unterricht Berufsfelder vorstellen, Klassen zu Führungen in den Betrieb einladen, an Aktionstagen für sich werben. Gelegenheit dazu haben sie in Mecklenburg-Vorpommern  zum  Beispiel  in  der ,,Woche der Ausbildung" vom 7. bis 11. März in den Schulen in Blankensee, Neustrelitz, Feldberg und Burg Stargard. Das teilten Marlies Krieger und Marion Kiihn von den Arbeitsagenturen Neustrelitz und Neubrandenburg den Landwirten mit, die am 16. Februar an der Winterakademie des Bauernverbandes Mecklenburg-Strelitz im Hotel Hellfeld bei Neubrandenburg teilnahmen. Dort ging es an diesem Tag um Mitarbeiter- und Nachwuchsgewinnung. Unter anderem wurden der Arbeitgeberservice der Arbeitsagentur und seine Angebots-palette vorgestellt. ,,Hierbei wird sich stets individuell der jeweilige Bedarf angeschaut", gaben beide Agentur-Mitarbeiterinnen zu verstehen. Im Vorfeld fahren die Außendienstmitarbeiter in die Betriebe, begutachten, was der Landwirt an Ackerfläche besitzt, wie viele Tiere versorgt werden, wie viel Personal beschäftigt ist. Nachdem sich der Außendienstler ein Bild vom Agrarbetrieb gemacht hat, klärt er den Landwirt darüber auf, welche Qualifizierungsmaßnahmen dieser in Anspruch nehmen kann und welche Fördermöglichkeiten es für ihn gibt. Ein anderes Thema befasste sich mit dem Auslandspraktikum für Azubis. Laut Franziska Kampf vom BilSE-lnstitut haben bisher 93 Azubis aus MV das Angebot eines internationalen Praktikums seit 2011 wahrgenommen. Für sie zur Auswahl standen die Länder Frankreich, Ungarn, Estland, die Niederlande, Österreich und Dännemark. Im Gegenzug haben seit 2010 hiesige Landwirtschaftsbetriebe 61 Praktikanten aus diesen Ländern aufgenommen. Voraussetzung für ein Praktikum dieser Art, das mindestens drei Wochen dauert, ist ein registrierter Ausbildungsvertrag und das Einver-standnis des Ausbildungsbetriebes sowie die Vollendung des 18. Lebensjahres. Das Praktikum ist kein Bestandteil der Ausbildung, sondern freiwillig, als Zusatzqualifikation zu verstehen. Allerdings wird die Praktikumszeit als Ausbil-dungszeit angerechnet und ist vom Agrarministerium anerkannt. Ein Stipendium im EU-Programm ERASMUS+ sichert die finanzielle Unterstützung der Teilnehmer.

Angebot für Ausbilder
Ein ähnliches Angebot existiert fur das Ausbildungspersonal landwirtschaftlicher Unternehmen und Berufsschulen. Für sie besteht die Möglichkeit für eine Seminarreise in eines der Partnerländer, um sich z. B. über Ausbil-dungsinhalte auszutauschen. In diesem Jahr geht die Reise vom 19. bis 23. Juni nach Frankreich (Le Mans bei Paris). Ansprech-partner hierfür ist das BilSE-Institut (www.bilse.de). Hinter all dem steht ein Partnernetzwerk, das sich über die Jahre entwickelt hat, unter anderem auch durch die Kontakte des Bauernverbandes Mecklenburg-Vorpommern nach Estland. Unterstützt wird das internationale Partnernetz seit 2007 durch das Landwirtschafts-ministerium MV.


Autor: Danilo Vitense

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